Barockbaumeister Forschung

Wissenschaftliche Forschung zu Bregenzerwälder Barockbaumeistern

Themenbereich
Basisdienstleistungen, Leader, Gemeinden

Untergliederung
KMUs, Gewerbe & Wirtschaft
Kultur
LEADER
Bildung & Lebenslanges Lernen

Projektregion
Vorarlberg

Lokale Aktionsgruppe
LAG REGIO-V Regionalentwicklung Vorarlberg

LE-Periode
LE 14–20

Projektlaufzeit
01.04.2022-30.9.2024

Projektkosten gesamt
72 558,00 €

Fördersumme aus LE 14-20
43 534,80 €

Massnahme
Förderung zur lokalen Entwicklung (CLLD)

Teilmassnahme
19.2. Förderung für die Durchführung der Vorhaben im Rahmen der von der örtlichen Bevölkerung betriebenen Strategie für lokale Entwicklung

Vorhabensart
19.2.1. Umsetzung der lokalen Entwicklungsstrategie

Projektträger
Regionalentwicklung Bregenzerwald GmbH

Kurzbeschreibung

Im Projekt „Barockbaumeister Forschung“ wurde begonnen, die Geschichte der Bregenzerwälder Barockbaumeister wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten. Mit der Eröffnung des Barockbaumeister Museums in Au-Rehmen und der Sanierung des Heimatmuseums Bezau, mit Teilfokus auf den Barockbaumeistern, wurden parallel dazu Schritte in Richtung Aufarbeitung und Vermittlung gesetzt. Bisher mangelte es noch an einer fundierten, aktuellen, wissenschaftlichen Forschung zu den Barockbaumeistern, vor allem, was ihre Bedeutung für die Region betrifft.

Ziel des Projektes war es, Grundlagenarbeit zu leisten, Forschungsfragen zu formulieren und erste Fragen zu beantworten. Mit den Forschungen durch Mathias Moosbrugger und Patrick Plaschg wurden diese Ziele im Wesentlichen erreicht. Es wurde Grundlagenforschung auf diesem Gebiet umgesetzt und ein umfangreiches Sample an wissenschaftlich belastbaren Fragestellungen und Hypothesen formuliert. Diese Ergebnisse bilden eine Basis zur Fortsetzung der Forschung.

Ausgangssituation

Das Thema Barockbaumeister wurde bereits in mehreren LEADER-Projekten bearbeitet. In den Jahren 2004/05 wurde das Thema für ein Ausstellungs- und Angebotskonzept aufgearbeitet. 2019-21 folgte der Umbau des Kuratiehauses in Au-Rehmen zu einem Barockbaumeister Museum (https://www.regio-v.at/projects/387/auftakt-au).
Ein weiteres LEADER-Projekt in Bezau (https://www.regio-v.at/projects/399/barock-bis-gegenwart) ist in Bearbeitung.

Trotz dieser vorangegangen Initiativen fehlt es noch immer an jüngerer wissenschaftlicher Forschung zu den Barockbaumeistern und Bauhandwerkern des Bregenzerwaldes. Das liegt unter anderem daran, dass eine Aufarbeitung der Materie aufwendig und qualitativ sehr anspruchsvoll ist. Obwohl die Barockbaumeister für den Bregenzerwald von großer kultureller und regionalgeschichtlicher Bedeutung sind, gibt es noch immer viele offene Fragen zu ihrem Wirken und der damaligen und heutigen Bedeutung für die Region. Die Regio Bregenzerwald will diese Forschung nun angehen und helfen, Forschungslücken zu schließen, um so einen Grundstein für künftige wissenschaftliche Forschungen in diesem Bereich zu legen. Das Barockbaumeister Museum in Au und das Heimatmuseum in Bezau sind ebenfalls an der weiteren Beforschung der Barockbaumeister interessiert und unterstützen dieses Vorhaben.

Ziele und Zielgruppen

Ziel des Projektes war es, neben Grundlagenarbeit auch erste Forschungsfragen festzulegen und zu bearbeiten. Die Ableitung der Forschungsfragen und der darauffolgende Aufbau von Hypothesen erfolgten während des Projekts. Zur permanenten Wissensvermittlung, Bewahrung des kulturellen Erbes und zur Stärkung der regionalen Identität wurde eine umfangreiche Quellenedition zu den Zunftbüchern der Barockbaumeister erarbeitet.

Projektumsetzung und Maßnahmen

Grundlagenforschung Es ging darum, das Phänomen der frühneuzeitlichen Bregenzerwälder Bauhandwerker und die Struktur bzw. die dahinterstehenden Personen(-verbände) ihrer Zunft auf der Grundlage zentraler Quellenbestände neu in den Blick zu nehmen.
Zu diesem Zweck wurden teilweise vielzitierte aber bislang kaum systematisch aufgearbeitete Quellen herangezogen und für die zukünftige Forschung verwendbar gemacht. Ein erster Schritt zur Abkehr von einer stark kunstgeschichtlich bzw. meisterbiographisch orientierten Forschung und zur Hinwendung zu einer sozialgeschichtlich-regionalgeschichtlichen Forschung konnte durch die Auswertung von mehreren Quellenbeständen gesichert werden. In den Pfarrmatriken der Orte Au und Schoppernau konnte nachgewiesen werden, dass darin eine Vielzahl an Familiennamen vorkommen und nicht nur die berühmten Familien Moosbrugger, Natter, Beer und Thumb dominieren. Über eine Auswertung für die Zeit von ca. 1690 bis 1770 wurde festgestellt, dass die meisten Hochzeitstermine für den Winter und das Frühjahr verzeichnet sind, während die Geburten und Todesfälle meist auf die Sommerzeit fielen.  Damit kann zumindest ansatzweise bestätigt werden, dass die Ausbildungs- und die Arbeitsstrukturen der Barockbaumeisterzunft zumindest in einigen Teilen und in einigen Zeitabschnitten des späten 17. und 18. Jahrhunderts bereits zu einer Konsolidierung von sozialen Strukturen geführt und damit einen großen Einfluss auf das Leben in der Region gehabt haben. Das eigentliche Hauptziel der Forschungen war eine historisch-kritische Edition dieser zentralen Quellen und ihre kommentierend-auswertende Verortung im sozialgeschichtlich- regionalgeschichtlichen Kontext ihrer Zeit. Hierfür wurden aus dem Regionalarchiv des Bregenzerwaldes in Egg und dem Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz die Zunftbücher der Gemeinden Au (mit Schnepfau) und Bizau erschlossen beziehungsweise transkribiert und erstmals auf breiter Basis quantitative Forschungen durchgeführt.

Für den Zeitraum von ca. 1640 bis 1707 wurden sämtliche Meister, Lehrlinge, ihre Herkunftsorte, die Dauer der Lehre (also Aufdingung und Ledigsprechung) und weitere zunftrelevante Fakten gesammelt. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bereits in der Frühzeit der Zunft die Strukturen und Wanderbewegungen ihrer Personenverbände bereits stark ausgeprägt waren und einen wesentlichen Einfluss auf das Leben der einzelnen Personen hatten. Es wird auch deutlich, dass sich innerhalb der wenigen Entstehungsjahre in der Region ein gewisser Grad an Diversität und Dignität innerhalb der Zunft entwickelt hat, der auf einer komplexen internen Vernetzung der einzelnen Personen beruht hat. Forschungsfragen Eine weiterführende Sichtung und Erschließung von zentralen Quellenmaterialien wurde durchgeführt und darauf aufbauend die sozial- und regionalgeschichtliche Neuausrichtung der Barockbaumeisterforschung über folgende Forschungsfragen zementiert: Welche zunftherrlichen Strukturen und Personen sind für den Bregenzerwald über Textquellen des späten 17. und 18. Jahrhunderts greifbar? In welchem Umfang konnten sie zur Konstitution der Zunft über der Einführung einer Zunftordnung und einer geregelten Ausbildung der Lehrlinge beitragen und welche Muster werden darin greifbar? Welcher personelle und räumliche Einzugskreis wird für die Barockbaumeisterzunft aus den Quellen für die Frühzeit fassbar und welches Verhältnis zu vermeintlichen Ablegern beziehungsweise Viertel- oder Achtelladen kann hierbei rekonstruiert werden? Welche Veränderungen haben die Bestätigung der Barockbaumeisterzunft in ihrer Hochphase durch die Obrigkeit in Innsbruck und der parallel hierzu verlaufende verwaltungstechnische Arrondierungs- beziehungsweise Professionalisierungsprozess der Habsburgermonarchie im 18. Jahrhundert bewirkt und wie wurde die Diversifizierung und Dignität der Zünfte dadurch beeinflusst? Welche Veränderungen lassen sich hierzu für die Phase erfassen, als die Zunft im Barock ihren größten Einfluss erfahren hat, die „großen“ Meister am Ende der Periode allerdings weggestorben sind und der Kunststil und die Bauformen ihre Bedeutung verloren haben?
Für die Früh- und erste Hochphase der Barockbaumeisterzunft wurden hierzu bereits die Daten der Quellenedition ansatzweise ausgewertet. Für die auf das 18. Jahrhundert ausgelegten Fragestellungen wurde ein Sample an weiteren neuen Quellen aus dem Vorarlberger Landesarchiv, dem Österreichischen Staatsarchiv und dem Freiburger Diözesanarchiv erschlossen.

Dies führte zu den folgenden Hypothesen: Mit den vorhandenen Quellen ist zu belegen, dass ab den 1640er/50er Jahren eine schnelle Konstitution der Zunft stattfand, die auf einer Vernetzung von Personen/Meistern basierte. Mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts ist der Einfluss der Landes- und der Kirchenverwaltung stärker greifbar. Dennoch konnte sich gerade diese Zunft über ihre Tätigkeit im gesamten süddeutschen Raum ihr soziales und wirtschaftliches Potenzial an Unabhängigkeit bewahren.

Ergebnisse und Wirkungen

Grundlagenforschung
  • Fertigstellung einer grundlegenden Quellen-Edition in der einschlägigen Quellen-Reihe der Zunftbücher von Au (mit Schnepfau) und Bizau, die interessiertem Fachpublikum, Besucherinnen und Besuchern sowie weiteren Forschenden als wichtige Grundlage für weitere Arbeiten zur Verfügung gestellt werden kann
  • Neujustierung der bislang stark kunstgeschichtlich orientierten Forschung in Richtung sozialgeschichtlich-regionalgeschichtlicher Perspektiven über quantitative Forschungsmethoden zu einzelnen Biografien und Personengruppen Vermittlung der Ergebnisse im Rahmen von Vorträgen: Zwischen Wald und Welt: Au, 27. August 2023; 300. Todestag von Bruder Caspar Moosbrugger: Kloster Einsiedeln, 26. August 2023

Forschungsfragen
  • Festlegung von Forschungsfragen sowie Ausarbeitung der zugehörigen Thesen und Hypothesen Erfassung des Entstehungsprozesses der Barockbaumeisterzunft in Au über „kleine“ Biografien und Personennetzwerke Neugewichtung der sozialen und wirtschaftlichen Potenziale der Bauhandwerkertradition für die Region für den Verlauf des späten 17. und des 18. Jahrhunderts
  • Analyse des Einflusses der landes- und kirchenherrlichen Obrigkeit Erforschung des Ursprungs von vermeintlichen Ablegern der Zunft in Lingenau, Bizau, und so weiter.
  • Publikation eines Papers in renommierter historischer Zeitschrift (Erscheinungstermin Frühjahr 2025): Moosbrugger, Mathias. Bottom-up Baroque. Recontextualizing the Bregenzerwald Baroque Master Builders, in: Austrian History Yearbook 55 (2025).


Erfahrung

Es wurde eine vernünftige Basis für zukünftige Forschungen gelegt. Es konnten zwar keine Quellen und/oder Informationen zu religiösen bzw. agrarischen Themen/Einflüssen in der Zunft erfasst werden und auch die Suche genderspezifischen Quellen blieb weitgehend auf die Pfarrmatriken der Orte beschränkt.
Die Hoffnung ist groß, dass Informationen auf diesen Gebieten in einem späteren Stadium eingeholt werden können. Dennoch ist eine Fortführung dieses Projektes unerlässlich, da nur so die Arbeiten abgeschlossen, eine wissenschaftliche Einheit mit dem Editionsband erreicht und die Vermittlung an die Bevölkerung umgesetzt werden können. Dies teilen auch die Bürgermeister aus Au und Bezau, sowie die Mitglieder und Mitarbeitenden der beteiligten Museen und des Museumsvereins Akkurat.